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Nun kann alles studiert werden

Nun kann alles studiert werden
Zum Werden des Hauptwerkes von Karl Marx
von Eike Kopf
2014

Vorbemerkungen
Könnten wir Karl Marx fragen, welchen Beruf er hatte, so würde er antworten: Kritiker. Im
Jahre 1781 hatte der erste große Vertreter der klassischen deutschen bürgerlichen Philosophie
Immanuel Kant mit seinem Werk „Kritik der reinen Vernunft” gefordert, dass sich alles der
Prüfung durch die Vernunft zu unterwerfen habe, und hat damit das Zeitalter der Vernunft
eingeläutet. In den 1840er Jahren war immer noch vieles im feudalen Preußen kritikwürdig.
Es war die Zeit der Kritiker. Einige, zum Teil Bekannte aus Karl Marx’ Studienzeit und Fried-
rich Engels’ Militärdienstzeit in Berlin (bis 1841 bzw. 1842) nannten sich sogar „kritische
Kritiker” – z. B. Bruno und Edgar Bauer, Max Stirner u. a.
Die Zeit ist ins Land gegangen. 2018 bzw. 2020 jähren sich die Geburtstage von Marx und
Engels zum 200. Mal. Hat sich der Gegenstand ihrer Kritik inzwischen nicht erledigt? Dem
Anschein bzw. der Form nach sicherlich; aber dem Wesen, dem Inhalt nach auch?
Man prüfe selbst. Die Quellenlage ist inzwischen verbessert. Von der seit 1975 erscheinenden
und  auf  114 Bände  (123 Teilbände)  geplanten  historisch-kritischen  Marx-Engels-
Gesamtausgabe (MEGA), die sich den gesamten schriftlichen Nachlass der beiden großen
Deutschen zum Ziel gesetzt hat, ist inzwischen etwa die Hälfte der Bände erschienen. 2012
wurde die Abteilung „,Das Kapital’ und Vorarbeiten (15 Bände in 23 Teilbänden)” abge-
schlossen. Nun braucht man zum diesbezüglichen Quellenstudium nicht mehr aufwendig in
die Archive vor allem zu Amsterdam und Moskau reisen.
Bertolt Brecht hat Marx und Engels richtig verstanden, wenn er in seinem Gedicht „Über die
kritische Haltung” meinte, dass die Regulierung eines Flusses, die Okulierung eines Obst-
baumes, die Erziehung eines Menschen oder der Umbau eines Staates Beispiele fruchtbarer
Kritik sind. Neue Generationen sind herangewachsen – neue Kritiker braucht die Erde.
„Das Kapital“ ist das Hauptwerk von Marx (und in spezifischem Sinn auch von Engels). Es
ist zugleich Weltliteratur. Im Juni 2013 wurde das „Manifest der Kommunistischen Partei“
(mit der einzigen überlieferten Seite in Marx’ Handschrift dafür) und der ersten Band Marx’
„Kapital“ (wovon sich z. B. ein Exemplar in der Bibliothek der Technischen Hochschule
Hannover befindet 1 ) wegen ihres großen Einflusses in das Dokumentenverzeichnis der
UNESCO „Gedächtnis der Menschheit (Memory of the world)“ aufgenommen. Man findet
diese Schriften in Bibliotheken nahezu aller Länder, die auf ihren guten wissenschaftlichen
Ruf Wert legen.

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