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Editorial

geschrieben von Lothar Geisler


Über Erdogans Politik als bezahlter "Türsteher" der EU, der Flüchtende fernhalten soll, oder als "Terrorpate" des IS schreiben nicht nur bundesdeutsche Linke. Im Syrien-Krieg hat "der ganz starke Mann des Landes" eine klar erkennbare  Zielhierarchie: "Vorrang hat die Eindämmung der Kurden; nachrangig, ungeachtet aller Beteuerungen des Gegenteils ist die Bekämpfung des islamistischen Terrors", schreibt selbst die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung unter der Überschrift "Türkischer Doppelschlag gegen Syrien". "Ganz offensichtlich setzt Erdogan... auf Militarisierung, selbst im eigenen Land... Mit Mäßigung im Innern ist nach dem Putschversuch und Erdogans autoritärem Kurs nicht zu rechnen." (FAS, 28.8.2016)

Mit unserem "Türkei-Schwerpunkt" - der in enger Zusammenarbeit mit unserem neuen Mitherausgeber Murat Çakır und der Redaktion von "Infobrief-Türkei" entstanden ist, wollen wir die Verhältnisse im Innern der Türkei etwas stärker in den Mittelpunkt rücken, vor allem aber die deutsch-türkischen Beziehungen. Und zwar vorwiegend aus der Sicht türkischer bzw. aus der Türkei stammender Linker.

Errol Babacan beleuchtet in seinem Beitrag die türkische Wirtschaftspolitik, Profiteure, Leidtragende, Machtkämpfe und wie der gescheiterte Putschversuch zur Einleitung der nächsten Runde eines neoliberalen Generalangriffs genutzt wird. Murat Çakır und Nick Brauns schreiben über die Gülen-Bewegung, ihre Verstrickung in den gescheiterten Putschversuch, aber auch über die BRD als Logistikzentrum dieser "faschistoiden Vorfeldorganisation".

In einem MBl-Interview beantwortete Sevim Dagdelen, MdB der Partei Die Linke und Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages Fragen zu ihrem soeben erschienenen Buch, in dessen Mittelpunkt die deutsch-türkischen Beziehungen stehen und die Forderung nach einer radikalen Wende in der deutschen Türkei-Politik.

Mehme Okyayuz und Ugur Tekiner, Politikwissenschaftler in Ankara, schreiben ebenfalls über die türkisch-deutschen Beziehungen im Spannungsfeld neu-alter Interessenpolitik zwischen dem "widerwilligen Hegemon" BRD und der aufstrebenden "neo-osmanischen Regionalmacht" Türkei. Korkut Boratav, Wirtschaftswissenschaftler in Ankara, sieht reaktionäre Wechselwirkungen zwischen EU, USA und der Türkei bezüglich der Allianzen des Kapitals mit "Populisten" unterschiedlichster Couleur.

Den Schwerpunkt abschließend bringen wir mit freundlicher Genehmigung des Verlags als Leseprobe aus dem sehr zu empfehlenden Türkei-Sonderheft der Zeitschrift "Ossietzky" den Beitrag von Rolf Gössner "Dialog statt Kriminalisierung".

Wir hoffen, dass wir mit diesem Schwerpunkt einen kleinen Beitrag zur Intensivierung des deutsch-türkischen Dialogs und des gemeinsamen, solidarischen Widerstandes gegen die militärischen wie wirtschaftlichen Beutekriege des Kapitals leisten.

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