Font Size

Cpanel

Editorial

»Die moderne Industrie betrachtet und behandelt die vorhandene Form eines Produktionsprozesses
nie als definitiv. Ihre technische Basis ist daher revolutionär … Durch Maschinerie,
chemische Prozesse und andre Methoden wälzt sie beständig mit der technischen
Grundlage der Produktion die Funktionen der Arbeiter und die gesellschaftlichen Kombinationen
des Arbeitsprozesses um.«1
Aus dieser Marxschen Formulierung über die permanente Revolutionierung der Produktivkräfte
durch das Kapital kann man getrost und selbstbewusst den Schluss ziehen,
dass der »Alte« zum Verständnis heutiger Umwälzungsprozesse, die mit dem »4.0-Label«
versehen sind, einiges beizutragen hat – vor allem auch bewährte Arbeitsbegriffe, die insbesondere
arbeitenden Menschen das Begreifen erleichtern. Darum haben wir einige der
wichtigsten aus dem »Marx-Engels-Lexikon«2 in unseren Schwerpunkt integriert.
»Wir sollten genau unterscheiden, was neu ist und was nicht so neu ist an diesem Regime
des ›digitalen Kapitalismus‹«, rät der weißrussische Netzkritiker Evgeny Morozov.
»Neuerungen bedürfen einer angemessenen Theoretisierung. Aber das bedeutet nicht,
dass die alten Fragen – die nach Monopolen, Imperialismus, der Verbindung zwischen der
Kriegsindustrie auf der einen und Innovationen auf der anderen Seite –, dass all diese Fragen
sich erledigt hätten«.3
Diesen Rat aufgreifend beginnen wir den Schwerpunkt mit dem sehr anregenden Beitrag
von Christian Fuchs über »Digitale Arbeit und Imperialismus«. Hier wie auch in dem
Beitrag von Lothar Geisler geht es weniger um »cyber-physische Systeme«, 3D-Drucker
und anderweitig technisch-Revolutionäres, sondern um die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
und deren Rückwirkung auf Arbeit und Leben der Arbeitenden. Denn die
ungelöste Schlüsselfrage ist, wie unter den heutigen Bedingungen »deformierter Produktivkraftentwicklung
« technischer Fortschritt zu sozialem Fortschritt werden kann. Wie
wichtig, aber auch wie schwer der Kampf ums Mitbestimmen darüber ist, wer, was, wo
und wie produziert wird, zeigt – außerhalb des Schwerpunkts – der Beitrag von Anne Rieger
zur Rüstungskonversion. Der Betriebsräte-Berater Marcus Schwarzbach erläutert, was
»Crowdworking« ist und auf welchen Handlungsfeldern Betriebsräte und Gewerkschaften
gefordert sind. Der Braunschweiger VW-Betriebsrat Uwe Fritsch schildert betriebliche
Erfahrungen. Und der langjährige Gewerkschafter und Vorsitzende der Partei Die Linke,
Bernd Riexinger, stellt Überlegungen zu einer linken digitalen Agenda zur Diskussion.
Wissend, dass wir das Schwerpunktthema damit nur angerissen haben und wir erst am
Anfang eines Diskussionsprozesses über die Zukunft der (digitalen) Arbeit stehen, haben
wir für unsere LeserInnen Buchempfehlungen zum Thema zusammengestellt. Denn diese
Debatte dürfen wir nicht den »Experten« überlassen.

1 Karl Marx, Das Kapital, in: MEW 23, S. 510 f.
2 PapyRossa Verlag, 2006/2013
3 Zitiert nach Luxemburg 3_2015, S. 12.

Aktuelle Seite: Home Arbeitswelt 4.0 Editorial